Ganz Fußballdeutschland blickt zurzeit nach Leipzig, denn RB Leipzig polarisiert wie kein anderer Verein.
Egal ob in Fußballhochburgen wie München,  Dortmund, und Gelsenkirchen oder in der Kreisklasse; Eine Abneigung diesem Verein gegenüber ist seitens der Fans von alteingesessenen Vereinen überall zu spüren.
Das Idealmodell vieler traditioneller Fans besteht aus drei Säulen: Tradition, Geschichte und ehrlicher Fußball.

Seit vielen Jahren, schon lange bevor sich Retortenvereine im Profifußball etabliert haben, rutschen Traditionsvereine in den Amateursport. Viele Vereine, die sich heute in der Kreisklasse befinden, kennt man eigentlich noch aus der Bundesliga.
Vereine und Fans aus ganz Deutschland betrachten die steigende Bedeutung des Geldes im deutschen Fußballmarkt als große Gefahr für die Traditionsvereine.

Anders sieht es in Lingen aus. Der Traditionsverein TuS Lingen stand kurz vor der Insolvenz. Um den Verein retten zu können mussten neue Ideen her. Das Resultat: Eine Neugründung unter dem Namen „RasenBallsport Lingen“. Nein, es steckt nicht der Brausehersteller Red Bull dahinter. Den Namen haben die Verantwortlichen bewusst gewählt um klar zu machen, dass sie das Profil des Vereins aus Leipzig teilen: Schönen Fußball für jedermann.

Weitere Beispiele:

  •  KFC Uerdingen war vor einigen Jahren noch im UEFA Cup, und kickt heute in der 5. Liga.
  •  Der 1. FC Mülheim, einst in der 2. Bundesliga, heute in der Liga 8.
  • Westfalia Herne war einmal die klare Nummer 1 im Ruhrgebiet, noch vor Schalke 04 und Borussia Dortmund. Heute spielen sie in der 7. Liga.
  • Aus Rot Weiss Essen, Traditionsmeister von 1955 mit Helmuth Rahn wurde innerhalb kürzester Zeit von einem Profiverein zu einem Fünftligisten.

Aber warum tun sich viele Vereine so schwer? Die Gründe hierfür sind sehr unterschiedlich. In manchen Fällen geht der Einbruch eines Vereins unmittelbar mit dem Kollaps der lokalen Wirtschaft einher. Andere Gründe sind fehlende Unterstützung seitens der Politik, erstarkende Konkurrenzvereine aus der Region, fehlende Visionen und zu hohe Ansprüche der Vereine selbst.

Am 5. März 2017 fand die Neuauflage des ältesten Stadtderbys Deutschlands statt: Altona 93 gegen den SC Victoria Hamburg.  Vor vielen Jahren war es das Derby schlechthin – nicht nur für die Stadt Hamburg, sondern für ganz Deutschland. Heute ist es ein Spiel der Oberliga, der 5. Spielklasse. Beide Vereine spielen noch immer in ihren altehrwürdigen Stadien. Altona in der Adolf – Jäger Kampfbahn, ihres Zeichens das zweitälteste Stadion der Welt und mit 1.500 Zuschauern regelmäßig gut gefüllt. Victoria spielt im Stadion Hoheluft. Hier gibt es keine Business Seats oder Hospitality Möglichkeiten. Hier steht der Sport im Vordergrund. Das Publikum: Traditionalisten, die sich hier wohler fühlen als in den großen Bundesliga-Arenen, Vereinsmitglieder und Groundhopper. Geschichte ist hier zum Atmen. Länderspiele, Traditionsduelle und große Meisterschaftsspiele fanden hier einst statt.
Beide Vereine befanden sich bereits schon in großen finanziellen Notlagen. Statt jedoch weiterhin ausschließlich auf die Tradition zu setzen und krampfhaft zu versuchen  hohen Ansprüchen gerecht zu werden, hat der SC Victoria beispielsweise das „Projekt 2020“ mit einer klaren Mission und Vision aufgestellt. Eine Stärkung der Jugendarbeit, die Errichtung einer Kita und der Ausbau der Infrastruktur sollen unter anderem die Grundlagen für ein solides Wachstum sein.
Dieses Beispiel zeigt, dass Tradition nicht unbedingt sterben muss.  Zweifelsohne stehen viele Vereine vor großen Herausforderungen, die jedoch mit Reformen oder Umdenken gerettet werden können.

Wichtig ist, dass die Clubs die richtigen Weichen für die Zukunft stellen. Vereine sollten nicht ausschließlich von der Tradition leben und damit großen Ambitionen hinterherlaufen. Besagte Tradition kann nur überleben, wenn sie in der Gegenwart, unabhängig von der Spielklasse, selbst gelebt wird. Eine klar formulierte Vision und Fans, die jeden Schritt mitgehen sind hierfür das Erfolgsrezept. Dass dies funktionieren kann, beweisen unter anderem der BSC Union Solingen oder auch der LFV Sachsen Leipzig. Der jeweilige Vorgängerverein musste vor einigen Jahren in die Insolvenz, doch anstatt zu trauern, wurden neue Vereine gegründet. Statt 1. FC Union, spielt heute der BSC und für den FC Sachsen LFV Sachsen Leipzig. Hier werden keine Deutschen Meisterschaften gefeiert, sondern Aufstiege in die 2. Kreisklasse. Denn auch diese können zur Geschichte von Traditionsvereinen dazugehören. Eine starke Jugendförderung zum einen und Solidität zum anderen gehören zu den Grundsteinen, um Schritt für Schritt allmählich wieder in die höheren Ligen zurückzukehren. Das dies gelingen kann, hat sich unter anderem bei der Lokomotive Leipzig, dem SSV Ulm oder auch aktuell bei den Würzburger Kickers gezeigt, die 2012 noch in der sechstklassigen Landesliga spielten und sich heute Teams wie Hannover 96 oder VfB Stuttgart stellen können.

Um solche Geschichten auch in der Zukunft schreiben zu können, spielen Sponsoren natürlich eine besonders große Rolle. Anders als im Profifußballgeschäft  können Sponsoren bei Traditionsvereinen in den unteren Ligen vor allem beim Geschichte schreiben eine große Aufmerksamkeit erzielen – Storytelling für vergleichsweise wenig Geld.

Neben den oben genannten Vereinen Sachsen Leipzig, Lokomotive, SC Victoria und Union Solingen, bietet Sponsoo Zugang zu vielen weiteren Traditionsvereinen, wie zum Beispiel der Viktoria Berlin, SV Lippstadt, Schwarz-Weiß Essen oder auch Westfalia Herne. „Aus Tradition wird Zukunft“, so nennt Westfalia beispielsweise ihr Projekt. Kurzum: Seitens der Vereine sind Mut, ein starkes Profil und klare Visionen die Antwort auf Veränderungen in der Fußballwelt, keine Angst – eine Vorgehensweise die Unternehmen mit Vereinen teilen können.